
Wer weiß bei Ihnen, was KI heute schon kann?
Ein Handwerksmeister hat meine Mail nach einem Blick zur Seite gelegt. Im zweiten Gespräch stand ein Folgetermin. Was dazwischen lag, ist in vielen Betrieben niemandes Aufgabe, und so vergeben Sie sie in 90 Tagen.
von Udo Flachs Nóbrega
Porträt: KI-generiert
Am Telefon war er interessiert. Ein Handwerksmeister, kleiner Betrieb, ein Mann mit mehr Arbeit als Stunden. Wir haben über KI gesprochen, und danach habe ich ihm per Mail die Seite zu meiner Reifegradanalyse geschickt. Als ich nachfasste, war das Thema für ihn erledigt. Er war einmal drübergeflogen, konnte nichts damit anfangen und hatte es zur Seite gelegt.
Im Oktober habe ich diese Szene hier schon einmal erzählt, in Niemand kauft KI. Damals habe ich den Fehler bei mir gesucht: Ich hatte das Werkzeug erklärt, nicht das Ergebnis. Das stimmt. Es ist aber nur die halbe Geschichte.
Im zweiten Gespräch habe ich nichts geschickt. Ich habe ihm erklärt, was am Ende anders ist: Arbeit verschwindet aus den Abläufen, die jeden Tag laufen, und manches läuft von selbst, für ihn und für seine Leute. Da war er wach. Wir haben jetzt einen Folgetermin und einen Plan, wie wir das Thema vertiefen.
Zwischen dem ersten und dem zweiten Gespräch lag kein besseres Angebot. Es lag ein Bild davon, was heute schon geht. Dieses Bild hatte in seinem Betrieb niemand, und das ist kein Vorwurf. Es ist nur niemandes Aufgabe, es zu haben.
Woran es wirklich fehlt
Im Feed wird die Frage meist andersherum gestellt. Welches Werkzeug, welcher Anbieter, welches Budget? Oder: Wie reif ist mein Betrieb für KI? Beides setzt voraus, dass jemand im Haus weiß, wonach er sucht. Eine Reifegradanalyse ist für einen Geschäftsführer, der nicht weiß, was KI in einem Betrieb wie seinem heute erledigen kann, ein Fragebogen über ein Land, das er nie gesehen hat. Er kann ihn nicht einordnen, also legt er ihn weg. Das ist kein Desinteresse. Das ist vernünftig.
Das Erste, was ein Betrieb bei KI braucht, ist weder ein Werkzeug noch eine Analyse, sondern jemanden, dessen Aufgabe es ist zu wissen, was heute schon geht.
Die Zahlen passen dazu. Der Digitalverband Bitkom hat im Sommer 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt, veröffentlicht am 14. September 2026. 57 Prozent setzen inzwischen KI ein. Von denen, die es nicht tun, sagen 85 Prozent, ihnen fehle das technische Know-how zur Umsetzung, und 51 Prozent fehlt das Personal. Nur 30 Prozent sehen keine Anwendungsfälle. Was die Zahlen nicht sagen: Sie sind Selbstauskünfte, und Betriebe unter 20 Beschäftigten sind nicht dabei. Meine Deutung: Die meisten zweifeln nicht daran, dass es Anwendungen gibt. Ihnen fehlt jemand, der sie für den eigenen Betrieb übersetzt und umsetzt. Diese Lücke schließt kein Werkzeugkauf.
Der naheliegende Einwand: Für einen kleinen Betrieb braucht es dafür keine eigene Rolle, das kann sich der Chef selbst anlesen. Können kann er es. Aber in den kleinen Betrieben, die ich kenne, ist er der Mensch mit dem vollsten Kalender, und was er abends findet, ist meist in Werkzeug-Sprache geschrieben: Funktionen statt Ergebnisse. Es braucht keine Stelle. Es braucht eine vergebene Aufgabe mit Zeit im Kalender. Ob das eine neugierige Mitarbeiterin ist, der Chef selbst mit festem Termin oder jemand von außen, ist zweitrangig. Nicht zweitrangig ist, dass es überhaupt jemand ist.
Wer ist das bei Ihnen?
1. Vergeben Sie die Aufgabe: ein Name und eine Stunde im Monat, fest im Kalender. Die Frage für diese Stunde: Was kann KI heute in Betrieben wie unserem, und was davon betrifft uns?
2. Drei Abläufe, die jeden Tag laufen: Diese Person schreibt die drei Abläufe auf, die täglich Zeit kosten, und zu jedem einen Satz, was am Montag danach anders wäre, wenn er von selbst läuft. Ein Beispiel, wie so ein Satz aussehen kann: Der Meister spricht nach dem Aufmaß eine Sprachnachricht ein, und im Büro liegt ein Angebotsentwurf mit den Positionen, den jemand nur noch prüft und freigibt. Gemessen wird die Zeit vom Aufmaß bis zum Angebot.
3. Erst danach bewerten: Eine Analyse Ihres Stands lohnt sich, wenn klar ist, wonach Sie suchen. Vorher ist sie ein Link mehr.
Wenn Sie diesen Text weiterleiten, dann an die Person, die bei Ihnen für Schritt 1 in Frage kommt.
Der Handwerksmeister und ich sprechen bald wieder. Nicht, weil mein Angebot besser geworden ist. Sondern weil er zum ersten Mal sehen konnte, was er dafür bekommt: weniger Arbeit, die jeden Tag an ihm hängt. Die Analyse kommt später. Zuerst kam das Bild.
Wer weiß bei Ihnen, was KI heute schon kann? Wenn Ihnen kein Name einfällt, ist das schon die Antwort.
Wenn Sie einen Ablauf haben, der Ihnen jeden Tag Zeit nimmt, gehen wir ihn gemeinsam durch: ein Check-Gespräch, 30 Minuten per Video. Danach wissen Sie, ob es sich lohnt. Check-Gespräch vereinbaren
Transparenz: Die Rohfassung habe ich gesprochen, eine KI hat sortiert und beim Kürzen geholfen. Die Geschichte, die Position und die Verantwortung für den Text liegen bei mir.
Quelle: Bitkom, Presseinformation „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“ vom 14.09.2026; 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, telefonisch befragt in KW 28 bis 33 2026. Zur Quelle
Diese Kolumne erscheint jeden Mittwoch. Ich arbeite seit 2002 in der IT, habe Konzernteams geführt und war selbst Geschäftsführer eines Mittelständlers. Mit Vaaren.ai übernehme ich als Shared CAIO, die geteilte KI-Leitung, genau diese Aufgabe für Betriebe ohne eigene Stelle. Wie das abläuft.
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